Geschichte

So begann es…

In den Kriegs- und Hungerjahren schickte der Kath. Jugendfürsorgeverein München bedürftige Kinder zur Erholung aufs Land. Theodor Freiherr von Cramer-Klett von Hohenaschau stellte ein Haus in Haindorf und Geld für „bedürftige Krüppelkinder“ zur Verfügung.

Am 15. Mai 1917 hielten die ersten Kinder aus München ihren Einzug. Im Jahre 1918 schenkte Baron Cramer-Klett das Anwesen dem Kath. Jugendfürsorgeverein München. Er blieb aber zeitlebens mit der Aufgabe und den Kindern in sorgender Weise verbunden.

Am 28. Mai 1919 kamen die ersten Franziskanerinnen aus Dillingen/Donau  und übernahmen die Wirtschaftsführung und die Betreuung der Kinder, Fräulein Paula Hiermer blieb als „Heilgymnastin“ , Fräulein Attenberger als Privatlehrerin.

Am 8. Juli 1919 verwüstete ein schreckliches Unwetter das Haus. Kinder und Schwestern standen auf der Straße. Für die erste Nacht wurden sie teils von der Aschauer Bevölkerung aufgenommen, teils im Lazarett im Schloß untergebracht. Dann stellte Annie Freifrau von Cramer-Klett ihre eigene Villa als vorläufiges Heim zur Verfügung. Der große Andrang leidender Kinder einerseits und die klimatisch gesunde Lage andererseits, ließen bei der Kath. Jugendfürsorge den Plan reifen, nicht nur das vom Unwetter zerstörte Haus wieder aufzubauen, sondern eine den Anforderungen entsprechende Einrichtung zu planen und zu errichten.  In der Zwischenzeit waren alle froh, in Villa „Annie“ mit Park eine Übergangslösung gefunden zu haben. Die ärztliche Versorgung leistete am Ort Herr Dr. Stocker, die fachärztliche Betreuung übernahmen Orthopäden aus der Orthopädischen Universitätsklinik in München. Besondere Verdienste erwarben sich Oberarzt Dr. Aubry und Dr. Schede. 10 Jahre lang hielten sie 14tägige Visite im Haus.

1925 konnte endlich in Haindorf mit einem Neubau begonnen werden. Die gesamten Baukosten betrugen 420000 Mark. Davon waren 120000 Mark durch Spenden aufgebracht. Nach 1 ½ jähriger Bauzeit konnte das stattliche Gebäude am 25. Oktober 1926 durch Kardinal Faulhaber feierlich eingeweiht werden.

Vom Krüppelheim zur Orthopädischen Kinderheilstätte…

1931 wurde die Leitung des Hauses dem Facharzt für Orthopädie, Herrn Dr. med. Leo Helfmeyer, übertragen und damit eine dauernde ärztliche Versorgung sichergestellt. Von dieser Zeit an wurde der Name „Krüppelheim“ durch „Orthopädische Kinderheilstätte“ ersetzt. Die Heilbehandlung rückte immer stärker in den Vordergrund. Jetzt ging das Bestreben dahin, das Schicksal des Krüppeltums von den Kindern abzuwenden und soweit als möglich eine Eingliederung der Jugendlichen in das spätere Erwerbsleben zu erreichen. Es entstanden Operations- und Gipsabteilung, Röntgenraum und Labor, Verbesserung für Wasser- und Gymnastikbehandlungen. Die Kinderheilstätte wurde berühmt durch neue Heilverfahren, besonders bei Knochen- und Gelenk-Tuberkulose. Licht, Luft und das spezielle Aschauer Klima begünstigten die Heilung. Während des 2. Weltkrieges war das Haus ständig überbelegt. Ständige Alarmbereitschaft gehörten ebenso zum Alltag wie materielle Not. Und doch herrschte im Haus eine Atmosphäre der Freude und des Optimismus.

Herr Dr. med. Rainer Penners übernahm am 1. Mai 1958 die Stelle des leitenden Arztes im Haus. Damals waren es 60 Mitarbeiter. 130-150 Kinder wurden auf 5 Stationen im damaligen Altbau  betreut. Bald zeichnete sich ein deutlicher Wandel der orthopädischen Krankheitsbilder ab: Hüftluxationen, Haltungsschäden, Fußdeformitäten nahmen zu und Kinder mit frühkindlichen Hirnschädigungen, mit angeborenen Missbildungen und mit Muskelerkrankungen  brauchten Langzeittherapien und umfassende Rehabilitation. Die Zahl der Patienten stieg, weil operative und konservative Behandlungen kürzer wurden. So reifte der Plan für eine Orthopädische Kinderklinik mit Spastikerzentrum.

Die Baumaßnahmen begannen 1963 mit der Errichtung des Personalwohngebäudes und fand im September 1965 ihren Abschluss.

Von der Heilstätte zur Orthopädischen Kinderklinik mit Rehabilitationszentrum…

Es war in den 60er und 70er Jahren noch gut möglich, Kinder bei klinischen Aufenthalten zusammen mit Kindern der Langzeit-Rehabilitation zu betreuen und zu beschulen.

Doch die medizinische/therapeutische Zielsetzung einerseits und die pädagogischen/schulischen Belange andererseits ließen nach neuen Wegen suchen. Die klare Gliederung von Klinik, Wohnheim, Schule und Tagesstätte wurde durch den Neu- und Schulbau 1985/86 möglich.

Die Einweihung des staatlich geförderten Klinikneubaus im Oktober 2004 bedeutet einen weiteren Meilenstein in der bewegten Geschichte des Aschauer Behandlungszentrums